Fahrbericht: BMW i3 mit eDrive

Elektrisch, sportlich-dynamisch und nahezu lautlos mit einem außergewöhnlichen Service-Ersatzwagen auf Tour

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Während meiner Kindheit fuhren in Berlin nicht nur die S- und U-Bahnen sowie die Straßenbahnen elektrisch, weshalb diese kurz Elektrische hießen, sondern auch die Oberleitungsbusse (Obusse), die Postautos, Verkaufswagen von Bolle für Milch und Käse, Lieferautos mit Stangen- bzw. Blockeis, Elektrokarren auf Straßen, in Betrieben und Bahnhöfen. Vielleicht inspirierte das auch Heinrich Bolten-Baeckers und letztlich Paul Linke 1922 zur Berlinhymne in der Operette Frau Luna: „Ja, ja, ja das ist die Berliner Luft, Luft, Luft, / So mit ihrem holden Duft, Duft, Duft, / Wo nur selten was verpufft, pufft, pufft…“ Im derzeit automobilen und digitalen Zeitalter hingegen wird von Umweltschutz geredet, was auch Autoschmieden zur Entwicklung hybridgetriebener Pkw und BMW zu einem völlig elektrisch angetriebenen, zukunftsweisenden Serien-Elektrofahrzeug inspiriert. Die Zulassungsstatistiken weisen von Januar bis September in Deutschland 1869 verkaufte BMW i3 aus, in den USA sogar 3104 Einheiten. Seit Mitte 2014 zogen in China und Japan die Verkaufsanzahlen an, ein Grund mehr, die Tagesproduktion in Leipzig von 70 auf 100 Fahrzeuge anzuheben. Bis Jahresende sollen insgesamt 20.000 BMW i3 das Werk verlassen.

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BMW i3 Concept 2Für zusätzliche Mobilität der Kunden steht vor dem Autohaus Leschitzki ein Service-Ersatzwagen bereit, ein BMW i3 im schicken, kraftvoll mutenden Kleid. Die Karosse des i3 besteht aus ultraharter Kohlefaser und macht ihn mit rund 1200 Kilo zum Leichtgewichtler, immerhin gut 300 Kilo weniger als vergleichbare Modelle. Problematisch freilich ist das teure und nicht leicht zu verarbeitende Karbon, was sich letztlich in der „Unverbindlichen Preisempfehlung“ ausdrückt. Dennoch kann Verkaufsberater Sebastian Leschitzki von wachsendem Interesse der Kunden berichten.
Zu einer außerordentlichen Testfahrt also eingestiegen in das visionäre Automobil. Erster Eindruck: Wie bei BMW gewohnt, alles vom Feinsten mit bester Verarbeitungsqualität, ausgezeichneter Passform der Leichtbausitze, griffigem Multifunktionslenkrad und knuffigem Schalthebel, Verzeihung, Fahrtregler. Dahinter im auffallend aufgeräumten, nahezu spartanisch anmutenden, aber hochmodern gestylten Cockpit dominieren eine flache Radiokonsole und zwei Displays, auf denen u.a. Batterieladezustand, Geschwindigkeit, Reifendruck und Außentemperatur angezeigt werden, ferner Infos des Bordcomputers und Navigationssystems, der Betriebsanleitung und was man noch so wissen muss. Die Bedienung erfolgt mit dem BMW-typischen iDrive. Der Blick richtet sich natürlich auf die Reichweitenanzeige, die normalerweise bei vollgeladenen Akkus mindestens mit 160 Kilometern angegeben wird. Momentan stehen 105 km zu Buche, was für die Testfahrt ausreichend sei, meint beruhigend Verkaufsberater Erhard Czymai-Parnow.

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Mein Fahrziel auf dem Navi eingeben, dann auf den Start-Stopp-Knopf gedrückt, Vorwärtsgang eingelegt, Tritt aufs Gaspedal und – Hoppla, der Wagen jagt los wie Schmidts’ Katze. Also Fuß vom Gaspedal und – abrupt steht der Wagen. Oh Mann, da ist Feinfühligkeit angesagt. Auf der Umgehungsstraße entfaltet der Elektromotor seine volle Dynamik – nach geschätzten 40 Metern zeigt das Tacho Hundert. Bei dieser atemberaubenden Beschleunigung verstehe ich nun, was „BMW EfficientDynamics Technologie“ heißt. Das Lenkverhalten ist spontan wie alles an diesem Wagen. Auch wenn dem i3 verstellbare Dämpfer fehlen, ist der Komfort keinesfalls eingeschränkt. Er ist straff, aber nicht zu hart abgestimmt und liegt wie ein Brett auf der Straße! Auf der A20 lasse ich dem Wagen freien Lauf und ein unvergleichbares und nahezu lautloses Fahrerlebnis beginnt. Es pfeift zwar eine steife Brise übers Küstenland, indes im BMW i3 sind lediglich Abroll-, aber keinerlei Windgeräusche vernehmbar. Knapp 160 km/h liegen an. Allerdings verringert sich nun vehement die Reichweite. Fuß vorsichtig (!) vom Gas, probehalber Klimaanlage, Sitzheizung und Radio aus- und den Taster neben dem Fahrersitz auf „ECO PRO+“ geschaltet. Sofort gehen die Energiereserven von 62 auf 81 km hoch und das Maximaltempo automatisch auf 90 km/h runter. Das hieße praktisch, würde ich bis Rostock weiterfahren, müsste ich dort für die Rückfahrt zunächst eine Steckdose suchen. Also, von finanziellen Gesichtspunkten mal abgesehen, dürfte der BMW i3 wohl zuerst seine urbane, umweltfreundliche Mobilität in der Stadt und bei komfortablen, mehr oder weniger weitreichenden Überlandfahrten ausspielen, nicht zuletzt in Stadtzentren, in denen mittlerweile reichlich Fahrbeschränkungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren bestehen…
Schade, die Testfahrt geht vor dem Autohaus Leschitzki buchstäblich zu schnell zu Ende. Tankdeckel auf, Stecker fürs Ladegerät rein und schnelles „Auftanken“ beginnt. Was mir bleibt, ist der Eindruck von einem tollen BMW und die automobile Zukunft hautnah gespürt zu haben.

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Einige technische Daten BMW i3:
Fünfsitzige, fünftürige Leichtbaukarosse, Fondtüren hinten angeschlagen, B-Säule entfällt
Länge 3,99 m / Breite 1,78 m / Höhe 1,58 m (aufgerundet)
Motor: Synchron-Elektromotor 170 PS/125 kW bei 250 Nm
Beschleunigung: 0-100 km/h in 7,2 s (etwa 36,7 m)
Getriebe: Einstufenautomatik
Stromverbrauch und CO2-Emissionen (kombiniert): 12,9 kW/100 km h
CO2-Emission in g/km (kombiniert): 0
Reichweite: 160 bis 190 Kilometer (je nach Fahrweise)
Kofferraumvolumen: 260 l, nach Umlegen der Fondsitze 1100 l