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Fahrbericht: BMW i3 mit eDrive

Veröffentlicht von: M. Ziel | am: 08. August 2018

Unterwegs mit einem dynamischen Leisetreter

Glück muss der Mensch haben. Es bewegte mich schon eine ganze Weile, eine Testfahrt mit dem BMW i3 zu unternehmen, der an der hauseigenen E-Tankstelle bei Leschitzki steht. Zumindest hin und wieder steht er dort. Der i3 dient eben nicht nur als Vorführ- sondern auch als Service-Ersatzwagen. Und er ist bei den Kunden des Autohauses offensichtlich heiß begehrt. Überraschend bot Service-Assistentin Alexandra Fitz einen freien Termin.

Erster Eindruck: Wie bei BMW gewohnt, alles vom Feinsten mit bester Verarbeitungsqualität, ausgezeichneter Passform der Leichtbausitze, griffigem Multifunktionslenkrad und knuffigem Schalthebel, Verzeihung, Fahrtregler.

Hinter dem Lenkrad, im auffallend aufgeräumten, nahezu spartanisch anmutenden, aber hochmodern gestylten Cockpit dominieren eine flache Radiokonsole und zwei ungewöhnlich große Displays, auf denen sehr übersichtlich und gut ablesbar u.a. Batterieladezustand, Geschwindigkeit, Reifendruck und Außentemperatur (heute 32,9 Grad im Schatten) angezeigt werden, ferner Infos des Bordcomputers und Navigationssystems, der Betriebsanleitung und was man noch so wissen muss. Die Bedienung erfolgt mit dem BMW-typischen iDrive. Der Blick richtet sich natürlich auf die Reichweitenanzeige, die normalerweise bei vollgeladenen Akkus mindestens mit 220 bis 300 km (je nach Fahrweise) angegeben wird.

Momentan stehen 228 km zu Buche, was nicht nur für die Testfahrt, sondern beispielsweise auch Pendlern aus dem näheren und weiteren Umland ausreichend sein sollte. Aber hineinsetzen und das automobile Schmuckstück einfach so starten, geht nicht. Auf dem knuffigen Schalthebel, Verzeihung, Fahrtregler, die Startertaste vorsichtig angetippt, da kommen die Infos über die Fahrtrichtungen. Vorwärts eingelegt, auf die Gaspedale getreten und – ich hechte mit dem Wagen auf die Automeile. Schrecksekunde. Fuß vom Gaspedal. Abrupt steht der Wagen. Oh Mann, hier ist Feinfühligkeit angesagt. Die ersten Stadtkilometer mit dem Leisetreter mahnen zur Vorsicht vor erschrockenen Fußgängern und rasanten, spontan richtungswechselnden Pedalrittern. Blicke aufs digitale Tacho mahnen zudem zur Ruhe. Bei völlig ungewohnt lautlosen 60, 70 Sachen droht denn doch schon mal die Gefahr eines Passfotos.

 Durch den umweltschonenden E-Antrieb ist der BMW i3 zwar ein ausgesprochenes Citymobil – was kümmern mich da Umweltzonen und Fahrverbote. Eher schon die nächste „E-Zapfsäule“. Unser Küstenland hat bereits 79 Ladestationen für Elektroautos, darunter Greifswald mit dem Autohaus Leschitzki sieben, Rostock zehn, Usedoms Badeorte bieten zahlreiche Stationen bis hin zu dem kleinen Urlauberdorf Quilitz am Peenestrom (derzeit außer Betrieb). Mit Stand 3. Juli d.J. besagt die Statistik, hat Deutschland immerhin rund 10.300 Ladestationen.

Auf der Umgehungsstraße entfaltet der i3 seine volle Dynamik – nach geschätzten 40 Metern zeigt das Tacho Hundert. Bei dieser atemberaubenden Beschleunigung verstehe ich nun, was „BMW EfficientDynamics Technologie“ heißt.  Das Lenkverhalten ist spontan, wie alles an diesem Wagen. Auch wenn dem i3 verstellbare Dämpfer fehlen, ist der Komfort keinesfalls eingeschränkt. Er ist zwar straff gefedert, dennoch komfortabel abgestimmt und liegt wie ein Brett auf der Straße! Auf der A20 lasse ich dem Wagen freien Lauf und ein unvergleichbares Fahrerlebnis beginnt. Im Wagen sind lediglich Abroll-, aber keinerlei Windgeräusche vernehmbar. Knapp 150 km/h liegen an. Allerdings verringert sich bei dem Tempo die Reichweite schnell von eben 200 auf 170 km. Doch Klimaanlage und Radio bleiben in Aktion. Das ist Fahrspaß pur! Und ich kann die Kunden des Autohauses Leschitzki verstehen, warum nicht wenige den i3 als Service-Ersatzwagen den bereitstehenden Benzinern und Diesel-BMW vorziehen. Auch kaufen? Die Verkaufsberater des Autohauses Leschitzki können von wachsendem Interesse der Kunden berichten.

Wurden im Vorjahr in Deutschland insgesamt 25.056 Elektroautos neu zugelassen, mit 11,64 Prozent Marktanteil des BMW i3, sind es in der ersten Jahreshälfte 2018 bereits 17.234 Neuzulassungen. Bis Juni 2018 entfielen auf den i3 laut Kraftfahrt-Bundesamt 1.751 Einheiten. Anfang 2018 ist der Bestand an Elektroautos weltweit auf 3.2 Mio. gestiegen, wobei China mit 1,2 Millionen E-Autos den Löwenanteil verbucht. Immerhin, BMW verkaufte 2017 über 100.000 Elektro-Autos, mehrheitlich des Modells i3 sowie des Hybridfahrzeugs BMW 2er Active Tourer. Wie aus der Münchner Autoschmiede zu vernehmen ist, sollen bis 2025 etwa 25 E-Modelle auf die Räder gestellt werden. Soweit mal zu den Statistiken und Zahlen.

Also, vom Kaufpreis mal abgesehen, dürfte der BMW i3 wohl zuerst seine urbane, umweltfreundliche Mobilität für Stadtmenschen ausspielen und für Pendler bei komfortablen, durch mehr oder weniger weitreichende Überlandfahrten sich finanziell rechnen…

Die Testfahrt geht vor dem Autohaus Leschitzki buchstäblich zu schnell zu Ende. Sicher dank Rückwärtskamera an der E-Tanksäule eingeparkt, Tankdeckel auf, Stecker fürs Ladegerät rein und das „Auftanken“ beginnt. Was mir bleibt, ist der nachhaltige Eindruck von einem dynamischen BMW, mit dem ich einen Tag lang die automobile Zukunft hautnah gespürt habe